Wirtshauskultur in Bildern

Heute ist irgendwie so ein "Wirtshaustag" - mit Sturm und einem Speckbrot vielleicht... Da paßt dieser Artikel doch gut, oder, den fotostrada im falter.at fand...

sturm im spritzerglas
@ fotostrada | Sturm im Spritzerglas

Authentizität bei den Fotografen

Den Malern ging es also um die Stimmung. Die Fotografen hatten ganz andere Ziele.

Auch wenn sich in diesen alten Schwarz-Weiß-Fotografien mit den unnachahmlichen Zwischentönen natürlich auch Stimmung breitmacht. Aber gefragt war die authentische Abbildung. Da steht er also nun vor uns, der Herr Wirt, im Sonntagsgewand. Kein Lächeln kommt ihm aus. Er ist ganz Würde. Und rund um ihn – hierarchisch angeordnet wie ansonsten nur beim Kaiser und im Hofamt – die Familie und das Gesinde, Ober, Kellner, Serviermädchen und diese dicke Frau, die wahrscheinlich die Köchin ist. Am Rande stehen die Stammgäste, Uniformträger entweder aus der Armee, der Polizei oder von der Post. Auf diesem einen anonymen Foto, welches Alois Nell's Restauration „Zum schönsten Park Gross Wien's“ heißt, ist sogar ein Fiaker vorgefahren. Ein Uniformierter hält sich mit der linken Hand an der Laterne an, in der rechten hält er ein Krügerl, der Blick ist starr auf den Fotografen gerichtet, sei es wegen des erforderlichen Stillestehens oder weil ihm das Bier halt schon auch im Auge stand. Trifft man kleine Buben im Publikum an, dann sind sie zumeist unscharf – weil sie nicht so lange stillhalten konnten, wie der Fotograf für seine Aufnahme gebraucht hat. Zumeist sind diese Bilder am Gehsteig vor dem Lokal entstanden, das entweder „Zu den drei Bindern“ oder „Zum goldenen Luchsen“ heißt oder sonst einen bombastischen Namen trägt. Ganz selten tritt die Belegschaft im Inneren des Etablissements an, und wenn, dann in der Küche, wo der Koch stolz vor einem Hummer steht.
Und wo sieht man diese Bilder? Die beiden Sammler Helfried Seemann und Christian Lunzer trugen immer schon alte Fotos zusammen, gaben und geben diese in ihrem Album-Verlag, mit erklärenden Texten versehen, unter den verschiedensten Titeln als Bücher heraus, sei es geordnet nach Bezirken oder sonstigen Wien-Themen. In dem Buch, das dem Wiener Wirtshaus von 1880 bis 1930 gewidmet ist, findet man nur mehr sehr wenige noch existierende Lokale, das Sacher und das Griechenbeisl, ja, dann den Esterházykeller, aber das war's dann auch schon. Auch das Wirtshaus „Zum Kurfürsten“ am Himmelpfortgrund, wo der stille Zecher über seinem Glas eingeschlafen ist, gibt es nicht mehr.

Bücher, in denen Wirtshausbilder zu finden sind:

Erika Oehring (Hg.): Josef Engelhart. Vorstadt und Salon. Christian Brandstätter Verlag, 2009.
Ulrike Spring / Wolfgang Kos / Wolfgang Freitag (Hg.): Im Wirtshaus. Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit. Czernin-Verlag, 2007.
Helfried Seemann / Christian Lunzer (Hg.): Das Wiener Wirtshaus 1880 bis 1930. Album Verlag, 2007.

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